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GS1 QR Code und Digitaler Produktpass: ein Code für Kasse und Kunde
Ab 2027 verlangt die EU für die ersten Produktgruppen einen Digitalen Produktpass. Der Weg dorthin ist kein zweiter Code neben dem Barcode, sondern ein GS1 Digital Link - und dafür braucht es nicht einmal eine eigene Domain.
Zwei Codes auf einem Etikett sind eine Notlösung
Wer heute einen Produktpass verlinken will, klebt meist einen zweiten QR-Code neben den EAN-Barcode. Das kostet Fläche, verwirrt an der Kasse und niemand weiß, welcher Code der richtige ist.
Der GS1 Digital Link – oft schlicht Digital-Link-QR genannt – löst das anders: Er kodiert die Produktdaten als gewöhnliche URL. Ein Kassenscanner erkennt am Pfadmuster, dass eine GTIN darin steckt, und liest sie heraus. Ein Handy öffnet dieselbe Adresse als Webseite. Ein Code, zwei Zielgruppen.
https://meinemarke.de/gs1/01/04006381333931/10/L-2026-0417/21/SN-0000184?15=270930
└──┬─┘└──────┬─────┘└┬┘└────┬────┘└┬┘└───┬───┘ └┬┘└──┬─┘
GTIN-Key GTIN Charge Charge Serie Serie MHD MHD
-Key -Key -Key
Jedes Paar in dieser URL ist ein GS1 Application Identifier (AI) mit seinem Wert – die vollständige Liste steht in der GS1-AI-Referenz. Die Primärschlüssel und ihre Qualifier bilden den Pfad, alle weiteren Angaben hängen als Abfrage hinten dran. Genau diese Zweiteilung macht die URL für Scanner eindeutig.
Der Denkfehler mit der eigenen Domain
Fast jede Anleitung beginnt mit: „Richten Sie einen Auflösungsdienst unter id.ihremarke.de ein." Das ist der Punkt, an dem die meisten Projekte hängen bleiben - neuer Hostname, neues Zertifikat, DNS-Antrag, Betriebsverantwortung.
Nötig ist das nicht. GS1 erlaubt beliebige Pfadsegmente vor den Anwendungsbezeichnern. Die vorhandene Firmendomain plus ein Unterpfad genügt:
https://meinemarke.de/gs1/01/04006381333931
Damit reicht eine Weiterleitungsregel auf dem Webserver, den du ohnehin betreibst. GS1 bestätigt das ausdrücklich in seiner Wissensdatenbank: Is it OK to include additional path segments?
Praktischer Nebeneffekt: Solange der Pass noch nicht steht, zeigt /gs1/… einfach auf die Produktseite. Gedruckte Etiketten bleiben gültig, wenn der echte Pass später an dieselbe Adresse zieht.
Was der Digitale Produktpass verlangt
Der DPP kommt aus der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) und wird nach Produktgruppen gestaffelt eingeführt. Textilien gehören zur ersten Welle, danach folgen unter anderem Batterien, Elektronik und Möbel. Gefordert sind Angaben zu Herkunft, Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit und Recycling - digital abrufbar über einen Datenträger am Produkt.
Für die Etikettenseite heißt das drei Dinge:
1. Der Träger ist ein 2D-Code. In der Praxis ein GS1 QR Code oder GS1 DataMatrix.
2. Er muss stückgenau sein. GTIN allein reicht nicht, wenn Charge oder Serie zur Rückverfolgung gehören.
3. Er muss dauerhaft auflösbar sein. Die URL überlebt das Produkt - deshalb die eigene Domain und kein Kurzlink-Dienst.
Zum Einstieg lohnen sich:
- GS1 Germany: Digitaler Produktpass
- Europäische Kommission: Digital Product Passport
- TrustTrace: How fashion brands can prepare for the EU DPP
- Xylene: Digital Product Passport in Fashion
- qr1.at: GS1 QR-Codes - der praktische Leitfaden
Die Falle, an der GS1-Codes in der Praxis scheitern
Ein GS1-Code ist kein eigener Symboltyp, sondern eine Vereinbarung über den Inhalt – ausgedrückt über GS1 Application Identifier (AI), auf Deutsch Anwendungsbezeichner: zwei- bis vierstellige Präfixe, die sagen, was der Wert dahinter bedeutet – 01 GTIN, 10 Charge, 21 Serie, 15 MHD. Dieselben Daten stecken in GS1-128, GS1 DataMatrix, GS1 QR und GS1 DataBar - nur anders verpackt. Und beim Verpacken passiert fast immer derselbe Fehler.
Anwendungsbezeichner haben entweder eine feste oder eine variable Länge. Nach einem Element variabler Länge muss ein Trennzeichen (FNC1) folgen - aber nicht nach dem letzten. Wer stur nach jedem variablen Feld trennt, erzeugt einen Code, den manche Scanner lesen und andere nicht.
01 04006381333931 10 L-2026-0417 <GS> 21 SN-0000184
│ │ │
feste Länge: variabel: variabel, aber letztes
kein Trenner Trenner nötig Element: KEIN Trenner
Dazu kommen die stillen Fehler: eine GTIN mit falscher Prüfziffer, ein Monat 15 in einem Datumsfeld, Zeichen außerhalb des GS1-Zeichensatzes 82. Alles Dinge, die man einem gedruckten Code nicht ansieht - bis die Ware im Wareneingang liegen bleibt.
Im Designer
zplCloud hat dafür jetzt einen GS1-Abschnitt direkt an jedem Barcode-Element. Statt einen Inhaltsstring zusammenzubauen, pflegst du eine Liste von Anwendungsbezeichnern:
- GS1 Application Identifier (AI) auswählen - mit Klartextnamen, Längenregel und Zeichenvorrat
- Wert eintragen - fest oder als Bindung an ein Feld deiner Datenquelle
- Kodierung wählen - Klammernotation für GS1-128 und DataBar, FNC1-Rohform für GS1 DataMatrix, Digital Link für GS1 QR
- Prüfung sofort - Länge, Zeichenvorrat, Datumsplausibilität und Prüfziffer, während du tippst
Die Trennzeichen setzt der Editor selbst - nach der Regel oben, inklusive der Ausnahme für das letzte Element. Den fertigen Inhalt siehst du unter der Liste, Steuerzeichen als <GS> sichtbar gemacht.
Neu wählbar ist außerdem GS1 DataBar Expanded - die kompakte Variante für Frischware und kleine Etiketten, auf denen ein GS1-128 nicht unterkommt.
Vorlage zum Loslegen
In der Vorlagengalerie liegt GS1 QR Code mit Digitalem Produktpass (DPP): 50 × 30 mm, GS1 QR Code mit Digital Link aus GTIN, Charge, Seriennummer und MHD, daneben dieselben Angaben im Klartext. Öffnen, Auflösungs-Domain eintragen, Werte an deine Datenquelle binden - fertig.
Was du heute schon tun kannst
Der DPP wirkt weit weg, aber die Vorarbeit ist klein und hält:
1. Unterpfad festlegen. /gs1 auf der Firmendomain, Weiterleitung auf die Produktseite. Eine Zeile Webserver-Konfiguration.
2. GS1 QR zusätzlich drucken. Neben dem EAN, solange die Kassen noch nicht umgestellt sind.
3. Charge und Serie mit aufnehmen. Sie kosten im Code fast nichts und sind später die Grundlage jeder Rückverfolgung.
Wenn die Pflicht greift, muss dann nur noch der Inhalt hinter der URL entstehen - die Etiketten stimmen längst.
Zum Nachbauen
Das hier beschriebene Etikett gibt es als fertige Vorlage, und jeder Bezeichner, der in den
Code kann, ist mit Datentyp, Länge und Bedeutung aufgeführt:
- Vorlage für das DPP-Etikett mit GS1-Digital-Link-QR
- GS1-Anwendungsbezeichner-Datenbank - alle 224 Bezeichner, durchsuchbar
- Barcode prüfen - Code einfügen oder Foto hochladen